Die Orientierungshilfe im stetig wachsenden Dschungel der Outsourcing-Konzepte
Klicken Sie in der nachstehenden Grafik einfach auf den zu
erklärenden Begriff: Sie werden dann zu der entsprechenden Stelle im
Dokument geführt. Zurück zur Karte kommen Sie einfach über den
Zurück-Button Ihres Browsers.

Sourcing
Beim Sourcing handelt es sich in seiner allgemeinen Form um
die klassische Beschaffung von Produkten und/oder Dienstleistungen. Der
Begriff ist wertfrei, was die Art und/oder Umfang der Eigenerstellung bzw.
Fremdbezug der Leistungen anbelangt. Das IT-Sourcing
bezeichnet also die Beschaffung von IT-Produkten und -Diensleistungen.
Als Oberbegriff wird Outsourcing oft synonym zu Sourcing
benutzt.
Outsourcing
Outsourcing ist der am häufigsten verwendete Begriff, wird
jedoch leider oft sehr unterschiedlich definiert, was eine
Vergleichbarkeit der empirischen Befunde sehr erschwert bzw. teilweise
unmöglich macht. In seine Bestandteile zerlegt, impliziert er, dass die
Beschaffung einer Leistung (meist und auch in unserem Kontext einer
IT-Leistung) von einem Unternehmen des externen Marktes erfolgt. In der
Verwendung implizierte der Begriff ursprünglich immer den Bezug einer
Leistung, die einmal innerhalb des Unternehmens erstellt wurde. In der
heutigen Verwendung, insbesondere in Bezug auf modernere Varianten, trifft
dies nicht mehr zwangsläufig zu (z.B. Application Service Provider), so
dass eine Leistung auch von vornherein im Rahmen eines Outsourcings
bezogen werden kann.
Externes versus internes Outsourcing
Einige Autoren erweitern den Begriff des Outsourcings so weit, dass
der Leistungsbezug auch über einen konzerninternen Markt erfolgen kann,
d.h. die Leistung innerhalb eines finanziell abhängigen Verbundes bezogen
wird. Definitorisch verbindendes Element bleibt jedoch auch hier ein
Marktmechanismus zwischen rechtlich selbstständigen Einheiten im Gegensatz
zu einer reinen unternehmerischen Aufbauorganisation. Im klassischen Fall
wurde vorgeschlagen, von »externem Outsourcing« zu sprechen, also
auch »Outsourcing im engeren Sinne«, im zweiten Fall von
»internem Outsourcing«, also auch »Outsourcing im weiteren
Sinne«. Internes Outsourcing wird auch als Captive
Outsourcing bezeichnet. Eine Zwischenstellung nehmen Joint
Ventures ein, bei denen der Leistungsnehmer und der Leistungsersteller
eine gemeinsame Firma gründen. Diese Konstellation ist oft durch eine
angestrebte Erschließung des Drittmarktes motiviert.
Insourcing
Insourcing bezeichnet den Bezug einer Leistung von innerhalb
einer Unternehmung. Voraussetzung ist jedoch ein formalisierter
Bietungsprozess unter Einbeziehung auch externer potenzieller
Anbieter, d.h. die bewusste Entscheidung, die Leistung
selbst zu erbringen. Der Begriff sagt lediglich etwas zur
finanziellen, nicht jedoch zur rechtlichen Stellung des
Leistungserbringers aus, d.h., dieser kann auch rechtlich selbstständig
sein.
Selektives Sourcing versus totales Out- bzw.
Insourcing
Selektives Sourcing bezieht sich auf den Grad des externen
Leistungsbezuges und steht im Gegensatz zum so genannten totalen
Outsourcing bzw. totalem Insourcing. Um den Begriff für
empirische Untersuchungen anwendbar zu machen, spricht
man bei einem Anteil von 20–80% Fremdbezug von selektivem
Sourcing. Die Variante ist auch unter den Begriffen Smart Sourcing oder Right Sourcing sowie Outtasking geläufig.
Multi-
versus Single-Sourcing
Beim Multi-Sourcing handelt es sich um eine Variante des
meist totalen Outsourcings, bei der die Leistungen an verschiedene
Leistungsersteller vergeben werden, wobei einer davon als
Generalunternehmer auftreten kann (aber nicht muss).
Es wird auch als Best-(of-breed) Sourcing bezeichnet. Leider werden
in der Literatur diese und die vorgenannte Variante häufig nicht klar
voneinander abgegrenzt. Im Gegensatz dazu steht das
Single-Sourcing, also der Leistungsbezug von nur einem
Leistungsersteller. Beim Bezug der Leistung von zwei
Leistungserstellern wird von Double Sourcing
gesprochen.
Backsourcing
Beim Backsourcing handelt es sich um den erneuten internen
Bezug einer ehemals durch Outsourcing bezogenen Leistung. Während also
beim klassischen Outsourcing die vormalige Eigenerstellung definitorisch
nicht zwingend notwendig ist, ist es die vormalige Fremderstellung beim
Backsourcing.
Offshore versus Nearshore versus Onshore
Sourcing
Als Offshore Sourcing wird die Leistungserstellung im (fernen) Ausland, bezeichnet, also z.B. in Indien oder China. Gründe hierfür sind in
erster Linie in der Lohnkostenarbitrage zu suchen. Beim
Onshore Sourcing oder Domestic Sourcing
verbleibt die Leistungserstellung im Inland, beim Onsite Sourcing
sogar weiterhin auf dem eigenen Firmengelände, also an seinem bisherigen
Platz. Nur der Betreiber wechselt in diesem Falle. Eine Zwischenstellung
nimmt das Nearshore Sourcing ein, welches eine Leistungserstellung
im näheren Ausland, also für Deutschland z.B. in Prag oder Budapest,
bezeichnet. Bei der flexiblen Nutzung all dieser unterschiedlichen
Varianten spricht man auch von Global Sourcing.
Value-added
Outsourcing
Beim Value-added Outsourcing handelt es sich um eine Form
des Outsourcings, bei dem beide Parteien Kompetenzen einbringen, um
zusätzlich den externen Markt zu bedienen. Damit liegt das bestimmende
Element in einer partnerschaftlichen Verbindung mit geteilten Einnahmen
und Risiken.
Co-Sourcing
Co-Sourcing ist ein ursprünglich von EDS (Electronic Data
Systems Corporation) kreierter Begriff. Es zeichnet sich dadurch aus, dass
die Abrechnung der Leistung nicht mehr auf Basis technischer Einheiten
erfolgt (wie z.B. noch bei ASPs), sondern geschäftsprozessorientiert oder
sogar erfolgsorientiert in Bezug auf die unterstützte Geschäftseinheit
(z.B. umsatzorientiert bei einem elektronischen
Buchungssystem).
Transitional
Outsourcing
Das Transitional Outsourcing bezeichnet eine Form des
Outsourcings, die gerade in Zeiten durch neue Technologien induzierter
wirtschaftlicher Dynamik anzutreffen ist: Ein Unternehmen setzt
Outsourcing für alte Technologien ein, um seine Ressourcen auf den Aufbau
neuer Technologien zu konzentrieren.
Transformational Outsourcing
Transformational Outsourcing stellt eine Zwischenform zwischen klassischem Outsourcing und
Beratungsdienstleistung dar, denn es erhebt den Anspruch gleichzeitig die
Transformation von Geschäftsprozessen als auch deren Auslagerung zu
betreiben. Welcher dieser beiden Komponenten überwiegt, in welcher
zeitlichen Reihenfolge diese erfolgen und wie beides sinnvoll verbunden
werden kann, ist in der Industrie umstritten. Manche Autoren stellen daher
das Konzept insgesamt infrage.
Infrastruktur-Outsourcing
Beim Infrastruktur-Outsourcing werden die
unteren technischen Systeme, also Infrastruktur und
Netzwerkdienste, als Leistung von einem externen Anbieter
bezogen. Diese Form des Outsourcings ist die am besten verstandene und
dementsprechend auch am häufigsten praktizierte Form des
Outsourcings.
Application
Outsourcing
Das Application Outsourcing (auch Applikations-Outsourcing oder Business
Application Outsourcing genannt) bezeichnet den
Fremdbezug von (geschäftsrelevanten) IT-Applikationen. Bei den so
nutzbaren Applikationen handelt es sich meist um Standardsoftware, wie
z.B. Customer-Relationship-Management- (CRM-) oder
Enterprise-Resource-Planning- (ERP-)
Systeme. Diese sind bis zu einem gewissen Grad an die jeweils
eigenen Geschäftsanforderungen anpassbar (engl. customizing). Wenn die
Applikationen vorzugsweise über das Internet einer größeren Zahl von
potenziellen Kunden angeboten werden, bezeichnet man die Anbieter als
Application Service Provider (ASP). Man spricht in diesem Zusammenhang
auch allgemein von Net-Sourcing oder E-Sourcing.
Business
Process Outsourcing
Business Process Outsourcing (BPO) bezeichnet das
Auslagern kompletter Geschäftsprozesse, die nicht als Kerngeschäft
angesehen werden. Der Fokus liegt mithin nicht auf Technik, sondern auf
Geschäftsrelevanz. Allerdings stehen häufig Prozesse mit einem hohen
Anteil an IT-Leistungen im Vordergrund. Beispiele sind Auslagerungen von
Einkaufs- oder Personalabrechnungsprozessen.
Knowledge Process Outsourcing
Knowledge
Process Outsourcing (KPO) bezeichnet eine jüngere Form des Outsourcings und ist eine
spezielle Form des Business Process Outsourcing. Es meint die Auslagerung
wissensorientierter, d.h. hoch spezialisierter und komplexer
Geschäftsprozesse, wie z.B. Forschung & Entwicklung (F&E) oder
Business Intelligence (BI).
von Jouanne-Diedrich, H.: Die ephorie.de IT-Sourcing-Map. Eine
Orientierungshilfe im stetig wachsenden Dschungel der
Outsourcing-Konzepte. In: ephorie.de – Das Management-Portal; http://www.ephorie.de/it-sourcing-map.htm
|